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Meine Geschichte beginnt an einem Donnerstag. Ach so, sorry: Ich bin Diana. Ich bin 49 Jahre alt.

Unter der Dusche stellte ich fest, dass da ein deutlich spürbarer Knoten in meiner rechten Brust war. Die Diagnose lautete Brustkrebs. Was soll ich sagen, da brach meine ganze Welt zusammen. Mein Leben wurde von links nach rechts geschleudert. Ich wurde operiert und erhielt eine Chemotherapie. Die Nebenwirkung, die hier besonders Frauen sehr fürchten lautet: Haarausfall. Ist ja auch klar, denn schöne Haare stehen schließlich für Gesundheit, Attraktivität und bei Frauen eben auch für Weiblichkeit. 

Es kam, was kommen musste: Ich verlor alle Haare. Ich trug unzählige Schals und testete Perücken, nur um meine Glatze – und damit auch meine Krankheit - zu verbergen. Ich konnte mich weder den Blicken noch den vielen Fragen entziehen. Das alles passierte im Jahr 2008. Ich kämpfte - und ja, ich wurde wieder gesund. Ganze 10 Jahre lang war Pause.

Dann kam das Jahr 2018. Ich brauchte eine Weile, um den erneuten Schock zu überwinden: Der Krebs war wieder da – und damit stand wieder die gefürchtete Chemo an. Diesmal wollte ich auf keinen Fall, dass man mir die Krankheit ansieht. Ich wollte nicht automatisch wieder als schwerkrank eingestuft werden. Ich wollte selbst bestimmen, wer davon erfährt. Nur wie? Durch den chemobedingten Haarausfall ist das ja geradezu unmöglich. Meine Eltern meinten, Sie hätten von einer Krebsfachklinik namens Veramed zwischen München und Rosenheim erfahren und gaben mir den Kontakt. Mir war klar: Da muss ich hin! Die Krebsklinik verbindet Schulmedizin mit Naturheilkunde und bietet unter anderem auch „Scalp Cooling“ an. Eine neu erprobte Methode gegen Haarausfall, die für etliche Krebspatienten infrage kommen kann. Ich sprach mit der Oberärztin dort und sie verstand sofort, wie wichtig mir der Erhalt meiner Haare war. Zum ersten Mal schöpfte ich Hoffnung.  

Was genau passiert beim „Scalp Cooling“?

Normalerweise schädigt das Zytostatikum nicht nur die Krebs-, sondern eben auch die Haarfollikelzellen. Trägt man aber eine „Scalp Cooling Mütze“ bzw. „Kältekappe“ während der Gabe, kann dies verhindert werden. Und das wirkt dann so: Die Kopfhaut wird während der Therapie auf unter 19°C abgekühlt, die Blutgefäße verengen sich, und die Medikamente gelangen damit nicht bis zu den Haarwurzeln. Der Erfolg der Therapie bemisst sich auf 60 bis 70 Prozent, je nach Chemotherapie und Haar-Typ. Das wollte ich versuchen. Jede Chemo-Sitzung dauert durch diese Prozedur länger, zudem war die Kälte anfangs unangenehm. Einige Patientinnen bekamen Kopfschmerzen. Aber dagegen bekommt man etwas. Bei mir wurde es mit der Zeit schnell erträglicher und es war die Sache auf jeden Fall wert: Alle meine Haare blieben mir diesmal erhalten.

Tatsächlich gehört die Veramed Klinik am Wendelstein zu den wenigen Krebsfachkliniken in Deutschland, die diese Kopfhautkühlung anbieten. Sie benutzen dort das System von Paxman. Im Moment ist die Kopfhautkühlung mit Abstand die erfolgreichste Methode zur Bekämpfung des unerwünschten Haarausfalls bei Chemotherapie.

Bei allem wurde ich natürlich zu jedem Zeitpunkt  gemäß den gültigen Leitlinien behandelt. Es wurden auch naturheilkundliche Therapieverfahren eingesetzt.  Zur Unterstützung der Chemotherapie kamen bei mir Hyperthermie und Magnettherapie zur Anwendung. Ich erhielt Einzelgespräche, in denen mir klar wurde, dass alles, was Anspannung, Angst und Verkrampfung lindert, mir dabei hilft, meine Erkrankung besser zu verarbeiten. Und eben die ergänzende Therapie der Kühlkappe.

Die Psyche ist für den Heilungsprozess entscheidend

Vielleicht lachen Leute, wenn sie hören, wie wichtig mir der Erhalt meiner Haare war. Aber wenn man das nicht selbst erlebt hat, sollte man sich hier keine Meinung bilden, sondern einfach nur zuhören. Die Psyche ist bei Krebs sowieso schon maximal belastet. Man erleidet sozusagen bereits ab der ersten Diagnose einen Schock. Wenn dann noch Haare verloren gehen, verliert man zusätzlich sein Selbstvertrauen. Das bildet einen bedeutenden Unterschied im Heilungsprozess, glauben Sie mir das.

Dass ich in der Therapie 2018 bis 2019 keine Haare mehr verloren habe, hat alles verändert. Die ganze Therapie verlief viel positiver. Tatsächlich entstehen in der Veramed Klinik keine Zusatzkosten – auch nicht für den Einsatz der Kühlkappen. Alle Behandlungsformen werden vollständig von allen Krankenkassen und Beihilfestellen für die durchgeführten Therapien übernommen.  So kamen keine Kosten auf mich zu.

Ich würde jederzeit wieder in die Klinik kommen. Das gesamte Team der Veramed Klinik – Ärzte, Schwestern und Pfleger, Physio, Empfang, Küche und Hausmeister – macht einen großartigen Job. Alle sind super freundlich und verständnisvoll. Dass ich bei der zweiten Chemo keine Haare verloren habe, habe ich nur der Veramed Klinik zu verdanken. Ich wurde hier umfassend und ganzheitlich betreut. Dafür bin ich jedes Mal über 800 Kilometer gefahren – auch die Fahrtkosten hat meine Krankenkasse übernommen. Es hat sich gelohnt – ich bin auf einem guten Weg. Unnd ich hoffe, dass viele weitere betroffene Frauen davon erfahren und sich einfach in der Klinik melden!

Eure Diana H.

 

Diana's Krebsgeschichte ist auch in der Zeitung im HALLO München am 21.11.2020 erschienen.
Hier die Seite zum Download (PDF): Haare behalten trotz Chemotherapie

 

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